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Wie die Ölpalme Mensch und Natur verändert.

Der Biologe Frank Nierula referierte in der Stadtbücherei Krumbach über das weltweit meistgehandelte Pflanzenöl sowie die ökologischen und sozialen Folgen des Anbaus

Von Thomas Niedermair

Aufschlussreiche Einblicke in die Palmölwirtschaft ermöglichte der Vortrag des Biologen Frank Nierula, der sich in der Stadtbücherei der Ölpalme widmete. Einer Pflanze, die auch in seinem, zusammen mit Frauke Fischer, geschriebenen Buch „Der Palmöl-Kompass“ die Hauptrolle spielt.

Nach dem sehr informativen Referat konnte bei den aufmerksamen Zuhörern kaum noch ein Zweifel daran bestehen, dass es angemessen ist, die in Europa vergleichsweise wenig bekannte Palmenart ins Rampenlicht zu heben. Deren Öl nämlich führt als meistgehandeltes Pflanzenöl nicht nur eine bedeutsame Existenz in den kleingedruckten Zutatenlisten von Lebensmitteln, sondern etwa auch in Futtermitteln, Kosmetikprodukten, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie im Biodiesel. Frank Nierula, der sein Biologiestudium an der Uni Würzburg mit einer von Frauke Fischer betreuten Masterarbeit über die Folgen und Hintergründe des industriellen Anbaus der Ölpalme in Südostasien abschloss, ließ die Ergebnisse dieser Studie in das Buch einfließen. Seinen Vortrag in der Stadtbücherei gestaltete er nicht als Lesung, sondern als wissenschaftlich fundierten Vortrag, der – auch dank zahlreicher auf die Leinwand projizierter Fotografien, Grafiken und Tabellen – sowohl die große wirtschaftliche Bedeutung von Palmöl als auch die aus dessen Produktion resultierenden dramatischen Auswirkungen für Mensch und Natur beleuchtete. Die Afrikanische Ölpalme, die in Wäldern bis zu 30 Meter, in Monokulturen dagegen nur etwa 15 bis 18 Meter hoch werden kann, hat sich, wie Nierula erläuterte, in der industriellen Agrarwirtschaft als besonders effzient erwiesen. In den Achseln ihrer Blattstiele entwickelt sich ein männlicher oder ein weiblicher Blütenstand. Von diesen bilden die weiblichen nach der Bestäubung jene Früchte, deren öliger Inhalt den schier unaufhaltsamen Siegeszug dieser Pflanze ermöglichte. Während die nicht ganz so ertragreiche Amerikanische Ölpalme mit ihren kleineren und weniger Fruchtfleisch aufweisenden Früchten besonders in Mittel- und Südamerika verwertet wird, sorgt, wie der Referent anschaulich dokumentierte, der industrielle Anbau der Afrikanischen Ölpalme in West- und Zentralafrika, sowie besonders in riesigen Plantagen in Südostasien für gravierende Umweltschäden. Hauptanbauländer sind Indonesien, Malaysia und Thailand. Dort werden riesige Flächen tropischer Regenwälder vernichtet, um das in der Herstellung billige und lang haltbare Pflanzenöl gewinnbringend zu produzieren und zu vermarkten. Die Ölpalme bietet sogar zwei verschiedene Öle, nämlich das der Frucht, das etwa für die längere Haltbarkeit von Schokolade verwendet wird, und das festere Kernöl (für Kerzen, Kosmetik etc.). Für die kräftezehrende Ernte in den Ölpalmplantagen seien oft illegale Arbeitskräfte aus dem Ausland sowie Frauen und Kinder zuständig, wobei auf deren körperliche Unversehrtheit, wie Nierula an Beispielen aus Indonesien belegte, nur wenig Rücksicht genommen werde. „Obwohl Pestizide weit verbreitet sind, gibt es für die Menschen nur selten Mundschutz oder Handschuhe“, betonte der Biologe.

Der monokulturelle Anbau von Ölpalmen habe im Jahr 2015 allein in Borneo zum Verlust von 17 000 Quadratkilometern Wald beigetragen. Seit 2014 gibt es eine europaweite Kennzeichnungspflicht für Palmöl in Lebensmitteln, doch „in Indonesien etwa sind die Zertifizierungsstellen oft von den Plantagenbesitzern abhängig; selbst schwache Standards werden hier seit Jahrzehnten missachtet“. Überhaupt sei die mangelnde Transparenz in der Lieferkette ein großes Problem, dem Konsumenten oft genug vergleichsweise ratlos gegenüberstehen. Ein „Einkaufshelfer für Produkte mit Palmöl“ ist im Buch von Frauke Fischer und Frank Nierula enthalten und kann konkret dazu beitragen, für mehr Klarheit zu sorgen, wenn es darum geht, das Kleingedruckte auf den Zutaten- und Inhaltslisten zu enträtseln. Der Biologe verwies auf „für Kleinkinder gefährliche Babymilch-Produkte und den hohen Fettsäureanteil von Palmöl“. Am Ende seines kenntnisreichen Vortrages rief Frank Nierula zu einem veränderten Konsumverhalten und zur Reduzierung von Palmölprodukten auf. Da aber auch die Alternativen zur rentablen Palmölwirtschaft, wie etwa der Rapsanbau mit seinem weitaus größeren Flächenverbrauch, nicht zwangsläufig besser seien, werde man trotz der vielfältigen negativen Effekte auf Mensch und Natur die bereits bestehenden Palmölplantagen weiterhin nutzen. Zumindest aber solle man darauf verzichten, dem kurzfristigen Profit zuliebe immer neue, riesige Plantagen zu bauen und wichtige Ökosysteme zu zerstören.

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