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Kleine Hände – großer Profit

Autor und Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter berichtete im Rahmen des Krumbacher Literaturherbstes über Indien, das die meisten Kinderarbeiter hat.
Von Claudia Bader

Jeder kauft mal – meist unbewusst – Waren, die von Kinderhänden hergestellt wurden. Denn obwohl Kinderarbeit interna-tional verboten ist, müssen Millionen Mädchen und Buben unter unwürdigsten Bedingungen für Produkte wie Teppiche, Natursteine oder Schmuck schuften, damit diese woanders günstig oder als Schnäppchen ergattert werden können. Bei manchen ahnt man nichts davon, bei anderen könnte man es nach Nachforschen eigentlich wissen.

„Nicht hinsehen heißt nicht, dass Kinderarbeit nicht passiert!“, appellierte Autor Benjamin Pütter an die Besucher in der Stadtbücherei. Bei seiner vom Weltladen Krumbach zum Literaturherbst organisierten Lesung stellte der Kinderarbeitsexperte sein Buch „Kleine Hände – großer Profit“ vor und entführte die Besucher nach Indien, das Land mit den meisten Kinderarbeitern. „Obwohl dies weit weg von uns geschieht, sind wir fast täglich unbewusst davon betroffen“, sagte Günther Deubler, Vorsitzender des Vereins „Solidarität Eine Welt Krumbach“, als er den Besuchern eine „schwere Kost“ ankündigte.
Rund 80 Mal ist Pütter in den vergangenen Jahren durch Indien gereist. Mehrmals war er dabei, als Kinderarbeit aufgedeckt und Mädchen und Buben aus ihrer Sklaverei befreit wurden. Er hat gegen die Machenschaften skrupelloser Firmenchefs gekämpft und sich dabei selbst in große Gefahr gebracht. Der europaweit führende Kinderarbeitsexperte berichtete von Fünfjährigen, die jeden Morgen vier Kilometer laufen müssen, um Wasser zu holen, die unter einfachsten Bedingungen Backsteine herstellen oder auf Müllhalden zwischen Scherben und Fäkalien verwendbare Kunststoffe aussortieren müssen. Aber auch beim Drehen von Zigaretten und der Herstellung von Räucherstäbchen sind die Kinder gesundheitsschädigenden Stoffen ausgesetzt, zeigte Pütter anhand von Bildern. Statt in die Schule gehen zu dürfen, müssten viele an bis zu sieben Tagen pro Woche in Steinbrüchen wie Sklaven mit viel zu großen Hämmern arbeiten. Dabei atmeten sie täglich Steinstaub ein, der der Schädlichkeit von 168 Zigaretten entspreche. Unvorstellbar sei auch der Lärm, der irreparable Gehörschäden verursache. „Kinder, die jeden Tag im Steinbruch arbeiten müssen, haben eine Lebenserwartung von rund 30 Jahren, so Pütter. Andere verletzten sich bei der Herstellung von Glasschmuck bis hin zur bleibenden Verstümmelung.

Großes Entsetzen über das Leid der Kinder

Zum Entsetzen über dieses Leid von Kindern, das man in den Augen vieler Zuhörer lesen konnte, kam die Frage, was vor Ort gegen Kinderarbeit getan wird. Neben Aufklärungsarbeit sei es wichtig, vor Ort Maßnahmen zu verwirklichen, mit denen Eltern ihr Einkommen verbessern sowie Kinder die Schule besuchen können. „Es geht auch um unseren Konsum“, sagte Pütter, der seit November 2015 Berater für die Bereiche Kinderrechte und Kinderarbeit beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ ist. Sowohl beim Kauf von Kleidung und Teppichen als auch von Natursteinen sollte man sich versichern, dass sie nicht aus Kinderarbeit stammten.

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Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 9.10.2017

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