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Brückenschlag zwischen Krumbach und Ghana

Die Schriftstellerin Christine Esi Walton hat schon viel erlebt. Was ihr dabei wichtig ist und welche Beziehung sie zu Afrika hat.
Von Kornelius Launhardt

Ein kleiner Bahnhof in Niederbayern im April 1945. Die Amerikaner vermuten, dass sich Nazigrößen in einem Flüchtlingszug versteckt halten. Obwohl sich die Vermutung nicht bestätigt, werfen die Soldaten Bomben ab. Befehl ist Befehl. Inmitten des Chaos wird ein Kind geboren. Christine Esi Walton. Die Schriftstellerin kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. In den Räumlichkeiten des Snehotta Pflegeteams in Krumbach gab sie im Rahmen des Krumbacher Literaturherbstes viele persönliche Einblicke.
Im Rottal aufgewachsen, hatte sie als Kind mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Es war eine Armut, die man sich nicht vorstellen kann“, erzählt Walton über ihre Kindheit. Als Flüchtlingskind musste sie täglich von 6 Uhr morgens bis tief in die Nacht auf Feldern arbeiten. Für einen Hungerlohn von 50 Pfenningen. Früh musste sie schwere Schicksalsschläge wie den Tod ihrer jüngeren Schwester Roswita hinnehmen.

Durch all diese Widrigkeiten hat ihr auch die tiefe Beziehung zu ihrem Großvater, über den sie voller Bewunderung spricht, geholfen. „Ich halte mich für eine Löwin, ich hab mich nicht ’zammfressen’ lassen von der Welt“, sagt Walton in ihrem altbayerischen Dialekt. Diesen hat sie als Kind, genauso wie Deutsch, erst lernen müssen. Denn die 72-jährige kommt aus einer Familie verschiedener Nationen. Später, an der Universität, lernte sie einen Medizinstudenten aus Ghana kennen. Durch ihre Heirat begann eine bis heute währende Verbindung zwischen Walton und den Einheimischen und ihrer Kultur. Akan, der Dialekt, den die Familie ihres Ex-Mannes spricht, beherrscht sie genauso wie Englisch. Sie wird von ihrer Ghanaischen Familie als „Schwarze“ gesehen und Walton selbst sieht sich auch als eine von ihnen. „Wenn ich meiner Familie in Ghana Geschichten von mir zeige, sagen sie immer, so kann nur eine Schwarze schreiben, wenn ich ihnen aber sage, dass das von mir ist, sind sie ganz baff“, erzählt Christine Esi Walton und muss dabei lachen.
Nach ihrer Scheidung ist die mehrfache Mutter und Oma für eine Zeit wieder zurück nach Ghana gegangen und hat dort Frauen lesen und schreiben beigebracht. Im Gegenzug lernte sie von ihnen Körbe flechten. Durch ihre Kindheit und die Zeit in Ghana hat sie viele verschiedene Facetten des Lebens und verschiedene Kulturen kennengelernt. Deshalb ist ihr Dankbarkeit auch sehr wichtig: „In Deutschland sagt man heute so oft, dass es uns so schlecht geht, dabei geht es uns so gut. Man sollte einfach froh und dankbar sein, das vermisse ich“, erzählt sie dem Publikum. Heute wohnt Walton in München und ist neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch noch Verlegerin. Ihre Bücher lässt sie in Krumbach drucken.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 21.10.2017

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