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Schwungvolle Ouvertüre beim Krumbacher Literaturherbst

poetzsch baderMit Ausschnitten aus seinem autobiografischen Buch "Meine Kur hat einen Schatten" bescherte Bestseller-Autor Oliver Pötzsch zum Auftakt des Krumbacher Literaturherbstes gemeinsam mit dem Duo Veronika Rüfer (Gitarre und Gesang) und Valentin Schmitt (Piano und Gesang) einen höchst vergnüglichen Abend.
© Claudia Bader

Bestseller-Autor Oliver Pötzsch beleuchtet mit scharfsinnigem Humor, was in einer Kurklinik zum Alltag gehört. Von Claudia Bader

Es gibt Menschen, die können auch nicht gerade erfreulichen Zeiten im Leben etwas Positives abgewinnen. Wie Bestseller-Autor Oliver Pötzsch, der während der Reha nach einer Herzoperation vielfältige Eindrücke festgehalten hat. Der Aufenthalt in „Bad Bichelstein, der fiktiven Perle deutscher Kurorte“, hat dem eigentlich durch seine historischen Romane berühmten Schriftsteller spannenden Stoff für fesselnde Schilderungen geliefert. Damit bescherte er den Besuchern einer Lesung aus seinem autobiografischen Buch „Meine Kur hat einen Schatten“ einen höchst vergnüglichen Abend. Einen besseren Auftakt hätten die Organisatoren des mittlerweile 12. Krumbacher Literaturherbstes nicht wählen können.

Denn die zahlreichen Besucher, die sich in der Schalterhalle der Raiffeisenbank Krumbach eingefunden hatten, erlebten viel mehr als eine mit Herz-Schmerz-Liedern gespickte Lesung. Eigentlich entstamme er einer Schongauer Henkersfamilie mit 14 Scharfrichtern, die sich im Laufe der Jahrhunderte aber dem Arztberuf verschrieben habe, verriet der Autor. Mit Bademantel und Rollstuhl auf einem mit Arzneimittelpackungen dekoriertem Podium hatte er die Kurklinik-Atmosphäre bereits mitgebracht. ANZEIGE Mit bewundernswertem Scharfblick, fast schon kriminalistischem Spürsinn sowie ansteckendem Galgenhumor und Augenzwinkern beleuchtete er so manches, was in einer Kurklinik zum Alltag gehört, aus seinem eigenen Blickwinkel. Zum Beispiel die im Kapitel „Fitness mit Oberpfälzern“ in sächsischem Dialekt beschriebene Morgengymnastik mit Partnermassage. Mit original Kur-Jutetasche um den Hals verdeutlichte Pötzsch, dass eine Reha alles andere als freie Zeit bedeutet: „Es ist alles durchgetaktet!“ Um nach tagelanger Abstinenz endlich wieder einen „Augustiner Edelstoff“ genießen zu können, teilte der Bypass-Patient mit seinen „dufte Kumpels“ auf dem Klinik-Parkplatz das Geheimnis des Bier-Dealens. Leider endete die Aktion nach dem unerwarteten Auftauchen der Ärztin und dem Rebellieren des Magens mit der Erkenntnis „Ich will nie wieder dieses Fieber spür’n!“, die das Duo Veronika Rüfer (Gitarre und Gesang) und Valentin Schmitt (Piano und Gesang) gekonnt in Klänge umsetzte. Als weitere Facette des Kuraufenthalts strapazierte der Country-Abend, bei dem „Bypass-Olli“ und „Klappen-Axel“ von tanzfreudigen Damen angebaggert wurden, die Lachmuskeln der Zuhörer gewaltig. Zur Begleitung der Bad-Bichelsteiner-Reha-Combo zeigte sich Oliver Pötzsch mit rauchiger Stimme in einem Elvis-Presley-Evergreen auch als routinierter Sänger. Und schon entführte er die Zuhörer in einer amüsanten Entspannungsstunde in das Nirwana der Autosuggestion. Nachdem im Reha-Kochkurs letztendlich alles andere als eine cholesterinarme Ernährung zubereitet wurde, durfte das Publikum im Song „Meine letzte Zigarette“ kräftig mithusten und abschließend in den amüsanten Reha-Song „Mein Bypass schlägt für Bichelstein“ mit einstimmen.

Quelle: Mittelschwäbische Nachrichten, 15.09.2017

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